Freitag, 21. November 2014

Die gefürchtete U7

In vielen Foren hab ich schon gelesen, dass Mütter sich vor der berühmten U7 fürchten.
Eine Untersuchung, in der mal wieder festgestellt wird, ob das Kind altersgerecht entwickelt ist oder nicht.
Und obwohl ich mir immer sicher war, dass mein Kind das alles gut meistert, kamen selbst mir Zweifel.

Gestern war es dann so weit. Wir betraten die Praxis und obwohl es genau zu unserer gewohnten Schlafenszeit war, schien die Kleine gut drauf zu sein.
Alle wurden freundlich begrüßt und in den Behandlungsraum lief das Mädchen sogar selbst hinein.

Dann wurde das übliche gemacht. Kopfumfang und Größe gemessen und Gewicht gewogen.

Kommen wir aber zum wichtigen Teil.
Die Ärztin holte einen Ball und warf ihn in die Mitte des Raumes. Lena sollte ihn holen und ihr bringen.
Mein Kind wächst im Allgäu auf, d.h. sie hört Hochdeutsch (teilweise von meinen Freundinnen) und Dialekt von Mama, Papa, Oma, Opa und allen anderen Verwandten und Freunden.
Unsere Kinderärztin ist Deutsch-Russin und hat einen völlig anderen Akzent. Das Mädchen stand da und wusste erst nicht so recht, was die fremde Frau ihr sagen will. Also wiederholte ich die Worte der Ärztin noch einmal.
Soweit, so gut. Ball spielen ist hier sowieso beliebt. Doch nach nur einer Minute wurde das ganze unterbrochen und die Kleine sollte über eine Zugluftrolle steigen.
Natürlich hatte sie da keine Lust drauf. Sie wollte den Ball zurück haben.
Also wurde der Ball auf die andere Seite der Zugluftrolle gelegt und das zeigte auch Erfolg.

Sie sollte dann noch einmal darüber steigen, doch das stellte sich  als schwierig heraus.
Mit einem Ball in der Hand, der fast so groß war wie die Kleine selbst und in einem Raum, der sonst keinerlei Hindernisse auf dem Boden bereit hielt, stolperte sie natürlich fast darüber.

Mein Kommentar zu der Ärztin, die ihre Mundwinkel etwas nach unten zog: "Naja, wir haben einen Hund daheim, der überall herum liegt und da muss mein Kind tagtäglich drüber steigen, das kann sie."

Als nächstes sollten wir an einen Tisch sitzen und einen Turm bauen. "Voll langweilig, sitzen....
Da hinten liegt noch der große Ball, den man mir weggenommen hat, den will ich jetzt haben"

Und so baute die Ärztin ihren Turm selbst (wir sind hier ja nicht bei "Wünsch dir was), während meine Kleine ständig nach dem "Baaaaaaaaaaaall" verlangte.
Damit die blonde Frau vor ihr dann doch endlich zufrieden war, baute mein Mädchen dann doch schnell einen Turm. Aber ich hatte das Gefühl, dass es der Ärztin zu schnell ging.
Meine Kleine baut fast täglich Türme und macht das schnell, zackig und mit Schmackes, damit sie ihn dann wieder genüsslich umschubsen kann. Ich glaube, sie sollte wohl alles in Ruhe machen.
Aber, der Turm stand wie eine 1 und wackelte auch nicht. Trotzdem hatte ich das Gefühl, die Ärztin war nicht zufrieden, da dann der Satz fiel "Da muss man einfach noch üben mit ihr"

Äh...ja. Hier ersparte ich mir einen Kommentar. Ich kenne mein Kind und weiß, was sie kann und das muss ich nicht jedem auf die Nase binden.

Der letzte Punkt beinhaltete ein Bilderbuch mit Dingen, die sie beim Namen nennen musste. Ihr fiel wieder der Ball auf, der da noch so verlassen lag und starrte unentwegt darauf.
Die Ärztin zeigte auf einen Apfel im Buch. Lena reagierte nicht, also sagte die Ärztin "Das ist ein Apfel". So ging es weiter und ich dachte mir "Oh man, gerade sprachlich ist sie doch so fit und jetzt zeigt sie es nicht einmal".
auf der 4. Seite war dann eine Katze mit Tigermuster abgebildet. Die Ärztin wartete wieder kurz, keine Antwort. Dann sagte sie "Das ist eine Miezekatze".
Plötzlich schaute Lena sie empört an und sagte "Tiigaaaa!"
Das Gesicht der Ärztin war göttlich.
Dann geschah etwas, was mir so gut tat. Meine Kleine fing an, selbst in dem Buch zu blättern und zeigte auf jedes Bild, um der Ärztin zu erklären, was darauf zu sehen war. Ich hatte regelrecht das Gefühl, dass sie sich dachte "Oh man, du weißt auch gar nix. Ich erklär dir das mal alles"
Beim vorletzten Bild war ein Kind abgebildet, bzw. ein Kind mit kurzen Haaren. Lena betitelte es als "goßa Bub" (großer Bub) und wies noch darauf hin, dass dieser einen Ball in der Hand hat.
Auch hier gab es keinen Kommentar von meiner Seite aus und auch die Ärztin machte nur noch große Augen und vergaß fast, ihren Mund wieder zu schließen.

Hiermit war dieser Teil erledigt, das Mädchen wurde geimpft, bedankte sich von selbst für die Gummibärchen-Belohnung, gab der verdutzten Ärztin die Hand mit dem Abschiedsgruß "Pfia di!"  und wir wurden mit dem Haken "altersgerecht entwickelt" entlassen.

Im Nachhinein könnte ich mich jetzt noch darüber ärgern, wie diese Untersuchungen ablaufen.
Nichts gegen unsere Kinderärztin. Sie ist eine nette Frau und macht ihre Sache gut, aber ein Kleinkind, welches gerade heftig seine Trotzphase auslebt, hat eben keine Lust sein Spiel zu unterbrechen, nur weil sein gegenüber jetzt etwas anderes machen möchte.
Diese 10 Minuten entscheiden darüber, ob mein Kind "dumm" ist oder nicht. Jedenfalls fühlt man das als Mutter doch so. "Oh, ihr Kind ist nicht altersgemäß entwickelt" heißt bei uns so viel wie "Sie ziehen da einen dummen Menschen groß".

Die Kleinen haben doch jetzt schon unterschiedliche Interessen.
Während das eine Kind gern mit Farben herumkritzelt, baut das andere vielleicht gern Türme.
Es gibt auch Kinder, die finden Ball spielen total uninteressant und dann kommt da ein Mensch daher, der die unterschiedlichsten Sachen verlangt und darüber entscheidet, ob unsere Kinder etwas gut können, oder nicht.
"Keine Lust" existiert da nicht. Entweder kann das Kind das, oder nicht.

Mein Bruder hat erst mit 2 1/2 Jahren angefangen, zu reden. Davor gab es eben nur "Mama" "Papa" und "daaa".
Und nun? Nein, er ist nicht dumm, er hat sogar Abitur. Und heute redet er genauso viel, wie andere.



Wie war das bei euch. Wart ihr auch aufgeregt vor der U7, oder habt ihr diese noch vor euch?