Mittwoch, 13. Juli 2016

Gastbeitrag: Einmal Dorfkind – immer Dorfkind

Als ich etwa 6 Jahre alt war, sind meine Eltern mit mir und meinen beiden Geschwistern von der Stadt aufs Land gezogen. In der Stadt hatten wir eine Wohnung in der wir drei Kinder uns ein Zimmer teilen mussten und anstelle eines Gartens gab es einen kleinen Balkon. Auf dem Land haben wir einen alten Bauernhof gemietet, mit einer alten Scheune, einem großen Garten und einem eigenen Zimmer für jedes Kind.



Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Kind ohne Angst auf den Straßen gespielt habe, die wenigen Autos, die dort fuhren, achteten auf uns. Wir sind durch die Felder gewandert, die um unser Haus lagen und haben im nahen Wald in der Sandkuhle gespielt. Meine Kindheit habe ich als wild und frei und (fast) ohne Grenzen empfunden.
Als ich älter wurde, habe ich dann manchmal gemerkt, dass man auf dem Dorf doch etwas abgeschnitten ist und habe nicht selten darüber geflucht, dass ich 45 Minuten für den Schulweg brauchte (mit dem Bus, eine Strecke). Als ich alt genug war und mein erstes eigenes Geld verdient habe, bin ich dann auch ziemlich schnell in die Stadt gezogen. Insgesamt habe ich etwa 7 Jahr in verschiedenen Städten gelebt.



Doch jetzt, wo ich selber schwanger bin, eine Familie gründe und Kindern ein Zuhause geben werde, jetzt zog es mich wieder auf ein Dorf hinaus. Zum Glück sieht mein Mann das ähnlich und gemeinsam haben wir uns für ein Haus auf dem Land in Niedersachen entschieden.
Wir wollen, dass unsere Kinder eine Freiheit erfahren, die in der Stadt nicht ausgelebt werden kann. Sie sollen im Wald groß werden, die Tiere und Pflanzen erleben. Sie sollen hier auf der Straße in Pfützen springen und an den nahe gelegenen Teichen mit einem Schlauchboot plantschen.
In unserem Garten sollen sie Sandburgen bauen, auf dem Trampolin hüpfen und das Gras unter ihren Füßen spüren.



Immer mehr Menschen zieht es heute in die Städte und ich kann es verstehen. Mehr Angebote, mehr Auswahl, bessere Infrastruktur und viele kulturelle Veranstaltungen.
Manchmal vermisse ich diese Dinge hier bei uns auf dem Dorf. Und ich weiß auch, dass unsere Kinder irgendwann größer werden und sich vielleicht nach der Stadt sehnen. Doch jetzt, heute und in den nächsten Jahren, weiß ich, dass dieser Ort meinen Kindern ein wundervolles Zuhause sein wird. Und wenn sie älter sind und woanders leben möchten, dann hoffe ich, dass sie all diese Erfahrungen mitnehmen und sich später – so wie ich – an eine fabelhafte Kindheit auf dem Dorf erinnern.

Wer bin ich? Ich bin Nele, 26 Jahre alt und derzeit schwanger mit dem ersten Kind. Nach einer recht langen Kinderwunschzeit, in der auch einige Hilfsmittel zum Einsatz kamen, freuen wir uns unbeschreiblich auf dieses Wunschkind und sind schon wahnsinnig aufgeregt. Auf meinem Blog faminino.de schreibe ich über psychologische Themen und persönliche Erfahrungen zu den Themen Kinderwunsch, Schwangerschaft und Erziehung.